Edition Lade   -   EL CD 042

Die historische Gabler-Orgel (1750) der Basilika Weingarten

 

Orgel Weingarten

Stephan Debeur

Die Orgel

 

 

 

 


Stephan Debeur, Orgel

1 CD   -   DDD   -   Spielzeit: 70' 42
Booklet: deutsch / französisch / englisch   -   28 Seiten   -   16 Abbildungen
€ 16,90

Die Gabler-Orgel der Basilika zu Weingarten ist zweifellos die bedeutendste Denkmalorgel Süddeutschlands. Der überragenden Bedeutung des Werks wurde man sich schon bald nach seiner Fertigstellung bewusst. Beispielsweise bemühte sich der größte Orgelbau-Enzyklopädist des 18. Jahrhunderts, der französische Pater Dom Bedos de Celles, bereits 1751 anlässlich einer Durchreise um diese Orgel und publizierte dann im Jahre 1770 im Band II seines Monumentalwerks L’art du facteur d’orgues nicht nur die Disposition (in etwas verballhornter Schreibweise), sondern auch einen großformatigen Stich des Gesamtprospekts.

Joseph Gabler wurde am 6. Juli 1700 in Ochsenhausen geboren. Wie für damalige Orgelbauer üblich, lernte er zunächst den Beruf des Schreiners. 1717 oder 1719 kam er dann als Tischlergeselle nach Mainz zu Hofschreinermeister Anton Ziegenhorn. Im Nachbarhause Ziegenhorns betrieb Johann Peter Geissel eine Orgelbauerwerkstätte, der seinerseits mit den fürstbischöflichen Orgelmachern Johann Windheiser, Johann Onymus und Hans Jakob Dahm in Verbindung stand. Letzterer baute 1719 für St. Emmeran zu Mainz eine neue Orgel. Zu dieser Pfarrei gehörten Ziegenhorn und somit auch der Geselle Joseph Gabler. Es ist anzunehmen, dass sich Gabler in diesen Kreisen seine Orgelbaukenntnisse geholt hat, doch wissen wir nichts Genaueres. 1729 heiratete Gabler die in jungen Jahren verwitwete Agnes Ziegenhorn-Hiller, die Schwiegertochter seines 1720 verstorbenen Meisters, und kehrte mit ihr nach Ochsenhausen zurück. Im dortigen Reichsgotteshaus entstand von 1729 bis 1733/34 Gablers Erstlingswerk. Nach Vollendung der Ochsenhausener Orgel kehrte Gabler nochmals für etwa drei Jahre nach Mainz zurück, bis er 1737 nach Weingarten übersiedelte, wo er bis 1750 an der Chororgel und vor allem an der großen Orgel beschäftigt war. Nach weiteren Arbeiten im süddeutschen Raum (in Memmingen, Ravensburg, Zwiefalten, Maria-Steinbach) begann er sein letztes Werk in der Stadtkirche von Bregenz, wo er am 8. November 1771 verstarb.

Neben dem Erstling in Ochsenhausen ist die Weingartner Orgel das Hauptwerk Joseph Gablers. Diese Orgel hat ihre eigene Entstehungs- und Leidensgeschichte. Allein schon die Tatsache, dass im Verlauf der Bauzeit nicht weniger als vier Verträge abgeschlossen wurden, deutet auf keinen reibungslosen Ablauf der Arbeiten hin. Der erste Vertrag wurde am 6. Juli 1737 unterzeichnet und sah eine Bauzeit von sechs Jahren vor. Am 6. Januar 1739 wurde Gabler verpflichtet, zwischendurch innerhalb zweier Jahre eine neue Chororgel mit 22 Registern zu erstellen. Genau zwei Jahre später, am 6. Januar 1741 wurde ein revidierter Vertrag für Chororgel und große Orgel abgeschlossen, welcher als Endtermin für beide Instrumente Oktober 1744 vorsah. Am 22. Mai 1745 schließlich erfolgte der vierte Vertragsabschluss mit einem Endtermin Juli 1746. Die Einweihung der großen Orgel erfolgte jedoch erst am 24. Juni 1750. Das Einvernehmen zwischen Meister Gabler und dem Kloster war offensichtlich nicht immer ungetrübt, die Schuld mag auf beiden Seiten gelegen haben. Einerseits ist beim Kloster ein mehrfaches Durcheinander zwischen verschiedenen Prioritäten nachweisbar, andererseits wird der Vorwurf der Trödelei gegenüber Gabler nicht völlig unbegründet gewesen sein.

Die größte Leistung Gablers ist zweifellos der geniale Entwurf der gesamten Orgelarchitektur. Es ist in der Tat einmalig, wie dieses Instrument die sechs Fenster gewis-sermaßen umrankt und einbezieht. Bei der technischen Realisierung dieses großartigen Werks stieß Gabler freilich an Grenzen, die auch er nicht zu übersteigen vermochte. Insbesondere das optisch beinahe frei schwebende Kronpositiv bot offensichtlich große Schwierigkeiten. Dieses Werk ist statisch nicht auf den übrigen Orgelkörper abgestützt, sondern am Dachgewölbe der Kirche aufgehängt. Gabler schaffte es aus sehr verständlichen Gründen nicht, dieses Kronpositiv mit einer eigenen Traktur anzuspielen. Er behalf sich vielmehr mit sehr langen Konduktbahnen vom Oberwerk aus. Dies führte wiederum zu einer Reduktion der Registerzahl auf vier Stimmen, während die Windlade ursprünglich für sechs Register (darunter vielchörige Mixturen) gebaut worden war. So muss das Kronpositiv als Torso bezeichnet werden. Abgesehen von diesen visionären Höhenflügen, die dann nicht ganz realisiert werden konnten, war Gabler dennoch ein ausgezeichneter Orgelbauer und nicht nur ein großer architektonischer Gestalter. Die handwerkliche Qualität seiner Arbeit ist über weite Strecken bestechend.

Ganz eigene Wege ging Gabler nicht nur in der für die Zeit sehr fortschrittlichen Disposition, sondern auch in der Mensurierung. Seine Mensuren sind, nicht nur bei den eigentlichen Streichern, durchwegs sehr eng. Dafür besetzte er zahlreiche Register doppelt oder mehrfach. Trotzdem konnte die Orgel nie eine besondere Kraftentfaltung zeigen, was ihr immer wieder angelastet wurde. Ihre Klangqualitäten sind weniger im brausenden Tutti als vielmehr in wunderbaren, pastellhaften Einzelfarben sowie poesievollen Mischungen zu finden.

Um dieses einzigartige Orgelwerk ranken sich verschiedene Legenden und symbolhafte Zahlenspielereien. Besonders die Legende der Vox humana ist beim Volk beliebt und deshalb unausrottbar: Gabler soll dieses Register deshalb so gut gelungen sein, weil er dem Teufel dafür seine Seele verschrieben habe. Obwohl natürlich kein Wort daran wahr ist, wurde hierüber sogar ein Weingartner Heimatspiel Das Geheimnis der Münsterorgel verfasst und wiederholt aufgeführt. Auch über die Pfeifenzahl wurde schon viel spekuliert. Die Verträge von 1741 und 1745 nennen eine Gesamtzahl von 6666 Pfeifen. Es ist ungeklärt, ob diese schöne Zahl von Gabler oder vom Kloster ausging. Jedenfalls soll diese Zahl den Geißelhieben entsprechen, die Christus empfangen habe (Justin Heinrich Knecht in seiner Orgelschule, 1796). Vermutlich wurden 6666 Pfeifen zwar angestrebt, doch ergibt eine kritische Nachzählung andere Zahlen.

Friedrich Jakob (gekürzte Fassung des Booklet-Textes)

 

P r o g r a m m

 
1-2
Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Praeludium und Fuge D-Dur, BWV 532

10' 37
3-4
Johann Ernst Eberlin (1702-1762)

Toccata Nona e-Moll
  6 '57
Toccata Septima D-Dur  5' 53
05 
Johann Ludwig Krebs (1713-1780)

Fantasia à gusto italiano in F

3' 37
06
Joseph Gabriel Rheinberger (1839-1901)

Cantilene F-Dur. Adagio, aus Orgelsonate Nr. XI

4' 53
7-12
Justin Heinrich Knecht (1752-1817)

Vorspiel G-Dur. Vivace 
1' 57
Choralvorspiel »Freu dich sehr, o meine Seele«  2' 39
Choralvorspiel »Freu dich sehr, o meine Seele«  1' 36
Rondo C-Dur. Allegro  2' 26
Rondo G-Dur. Andante  2' 37
Rondo G-Dur. Vivace  3' 55
13
PRÄSENTATION DER GABLER'SCHEN SPIELREGISTER

Cuculus, Tympanum, Rossignol

0' 46
14-15
Justin Heinrich Knecht (1752-1817)

Fuge c-Moll 
2' 55
Fuge B-Dur über den Namen Bach  3' 47

16-18
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)

Sonate VI »Vater unser im Himmelreich«, op. 65/6
  13' 47
Choral und Variationen  8' 55   -  Fuge. Sostenuto e legato  2' 30  -   Finale. Andante  2' 22

 

Weitere Einspielungen der Edition Lade an der historischen Gabler-Orgel (1750) der Basilika Weingarten
Fotos zum anklicken

EL CD 020EL CD 032EL CD 034

 

zur nächsten CD