Edition Lade   -   EL CD 044

Concert an der historischen Gabler-Orgel (1750)
der Basilika Weingarten

 

Stephan Debeur

Die Orgel

 

 

 

 

Stephan Debeur, Orgel

1 CD   -   DDD   -   Spielzeit: 75' 40
Booklet: deutsch / französisch / englisch   -   36 Seiten   -   13 Abbildungen
€ 16,90

Das Programm dieser CD bringt mit Werken bedeutender Komponisten den Klangreichtum der historischen Gabler-Orgel zu Gehör. Der Titel »Concert« kann dabei durchaus im Sinne eines Orgelkonzerts in Weingarten verstanden werden, er weist aber zugleich in vielschichtigerer Weise auf die kompositorische Form des barocken Concerto grosso hin, die im Laufe der Musikgeschichte großen Meistern immer wieder Basis für faszinierende und jeweils sehr eigen geprägte Neuschöpfungen war.

GEORG FRIEDRICH HÄNDEL wurde von Beethoven als unübertroffenen Meister erhabener Einfachheit gerühmt. Offenbar wird dies u.a. im seinem Oratorium »Salomon« aus dem Jahre 1749. Stephan Debeur spielt in einer Orgeltranskription die fröhlich-heitere Sinfonia dieses Oratoriums, die mit zwei konzertierenden Oboen (registriert mit Hautbois 4’ im Brustpositiv der Weingartner Orgel), dem Ritornell zwischen dem Orchestertutti und den Solo- sowie Echopassagen als typisch barocker Concerto grosso-Satz gestaltet ist.

Händels Orgelkonzert F-Dur op. 4, Nr. 5 (HWV 293) zählt zu den bekanntesten Werken des Meisters, der für diese Komposition seine eigene, um Orchesterritornelle und Begleitstimmen ergänzte Blockflötensonate op. 1, Nr. 11 (HWV 369) als Vorlage nahm. An der Gabler-Orgel erklingt das Orchestertutti in Hauptwerk und Pedal und die Solopassagen im Kronpositiv (1. Satz) bzw. Brüstungspositiv (2. und 4. Satz). Als Solostimme des zart-eindringlichen Siciliano ist die berühmte Gabler’sche Vox humana des Brüstungspositivs zu hören.

JUSTIN HEINRICH KNECHT genoss als Organist, Komponist, Musikschriftsteller und Orgelsachverständiger ein hohes Ansehen. Das »Kleine Flötenconcert F-Dur für Geübtere« ist dem zweiten Band seiner Orgelschule entnommen, wobei die Bezeichnung klein im Sinne von einsätzig zu verstehen ist.

Ein schönes Beispiel für JOSEPH HAYDNs Kompositionskunst ist seine Symphonie Nr. 73 D-Dur, für deren zweiten Satz er eines seiner Lieder (»Gegenliebe«) als Grundlage nahm. Das Finale überschrieb Haydn mit La Chasse (Die Jagd). Der vorliegenden Welt-Ersteinspielung der Sinfonie Nr. 73 für Orgel solo liegt eine in London publizierte Transkription zugrunde, die von Stephan Debeur grundlegend überarbeitet und vervollständigt wurde. Im ersten Satz Adagio-Allegro bringt der Interpret in der verhaltenen Einleitung die zarte Hautbois 8’ des Echowerks und im rhythmisch-prägnanten Allegro in den Forte-Passagen die Hautbois 4’ des Brustpositivs zu Gehör. Im zweiten Satz Andante erklingen Flöten- und Streicherregistrierungen in bis zu vier unterschiedlichen, jedoch zeitgleich ablaufenden klangfarblichen Ebenen. Im dritten Satz Menuetto e Trio (Allegretto) bilden Mixtur- und Zungenklänge sowie deren Kombination stetig abwechselnde Klangebenen, bevor im Trio die Hautbois 8’ des Echowerks die Solostimme übernimmt. Das mitreißende Finale La Chasse (Presto) beschwört mit seinen markanten Tonrepetitionen der Zungenregister sowie eingestreuten Jagdfanfaren ein fröhliches Jagdtreiben herauf.

Zu den populärsten Werken Bachs zählt der zweite Satz Air aus der Orchestersuite D-Dur (BWV 1068), ein Lied (air) für Streicher und Basso continuo, das über einem in regelmäßigen Achteln schreitenden Bass und motivisch imitierenden Mittelstimmen eine überaus eingängige Melodie aufweist. Die Interpretation auf der Gabler-Orgel lag nahe, weil kaum eine andere Barockorgel Deutschlands über eine derartige Vielzahl an Streicherstimmen verfügt, die mit ihrer herben Zartheit dem Klang von Gamben sehr nahe kommen. Bei der vorliegenden Aufnahme ist die Solostimme mit Violoncell 8’ und Solicinale 8’ des Oberwerks registriert, die Mittelstimmen erklingen mit den Streichern des Echowerks und der Bass mit Violon 16’ des Pedals.

Bei Bachs Orgelkonzerten handelt es sich vermutlich um Auftragswerke des musikliebenden Prinzen Johann Ernst von Sachsen-Weimar, von dem ein Violinkonzert Vorlage für Bachs Transkription BWV 582 war. Im ersten Satz stehen vielstimmige, mit den Streichermixturen der Gabler-Orgel registrierte Tutti-Abschnitte mit Doppelpedal triolenbewegten Solopartien gegenüber. Im zweiten, lyrisch-meditativen Satz erklingen die Flöten des Brüstungspositivs und im dritten Satz, einem kurzen Kehraus ohne besonderen kompositorischen Tiefgang, die Principale des Hauptwerks. Bemerkenswert ist, dass in diesem Finale der Solo-Tutti-Kontrast allein durch den Einsatz des Pedals deutlich wird.

Im ersten Satz der Bach.Kantate »Ich steh mit einem Fuß im Grabe« ist die Oboenstimme über Streicherakkordbrechungen melodieführend. Sie erfährt in der Klanglichkeit der Gabler’schen Vox humana, deren einzigartig klagender Charakter sich besonders in der tiefen Lage entfaltet, eine berührende Interpretation, während die Streicherpizzicati der linken Hand im Raum der Weingartner Basilika das Gefühl der Vergänglichkeit verstärken.

Gerade beim Spiel der Bach’schen Passacaglia kann der Reichtum der Gabler-Orgel an Klangfarben und Klangwirkungen voll ausgespielt werden und garantiert ein faszinierendes Erleben dieser Bachschen Meisterkomposition.

 

P r o g r a m m

 

1
Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Sinfonia (Allegro vivace) aus dem Oratorium »Salomon«, HWV 67

4' 10

2-5
Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Orgelkonzert F-Dur, op. 4/5, HWV 293
Larghetto - Allegro - Alla siciliana - Presto

10' 09
6
Justin Heinrich Knecht (1752-1817)

Kleines Flötenkonzert F-Dur für Geübtere (Allegro)

5' 25
7-10
Joseph Haydn (1732-1809)

Symphonie Nr. 73 D-Dur »La Chasse«    -   Welt-Ersteinspielung für Orgel
Adagio-Allegro - Andante - Menuetto e Trio: Allegretto - La Chasse: Presto

25' 04
11
Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Air aus der Orchestersuite D-Dur, BWV 1068

4' 27
12-14
Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Konzert G-Dur nach Johann Ernst von Sachsen-Weimar, BWV 592
[ohne Satzbezeichnung] - Grave - Presto

8' 04
15
Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Sinfonia (Adagio) aus der Kantate »Ich steh mit einem Fuß im Grabe«, BWV 156
[Orgeltranskription: Stephan Debeur]
    -   Welt-Ersteinspielung
2' 19

16-17
Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Passacaglia und Fuge c-Moll, BWV 582

14' 12

 

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